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Ivor Bolton (Chefdirigent des Mozarteum Orchester Salzburg) Dirigent der Mozart-Matineen 1 und 5
Nach der humorvollen, einfach "klassen" Aufführung von La Calisto in der Bayerischen Staatsoper München hatten wir die Gelegenheit mit unserem Salzburger Chefdirigenten des Mozarteum Orchester Ivor Bolton ein Gespräch zu führen.
Wir - das waren 16 Junge Freunde aus Salzburg und München zwischen 9 und 26 Jahren. Haben Sie sich bereits als Jugendlicher für klassische Musik interessiert? Ja, ich war ein leidenschaftlicher Musiker! Nach meinem Schulabschluss studierte ich an der Universität von Cambridge Cembalo und Musikwissenschaften. Später belegte ich auch einen Dirigentenkurs. In den letzten Jahren gingen aus dieser Schule viele international bekannte Dirigenten hervor. Sie sind seit einem Jahr Chefdirigent des weltberühmten Mozarteum Orchester Salzburg. Glauben Sie, dass Sie als Chef den Klangkörper Ihres Orchesters verändern können? Ja natürlich, ich hoffe, dass sich durch meine kontinuierliche Arbeit mit dem Orchester etwas verändert. Durch die Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum wird vor allem auch eine enge Beziehung zwischen den Musikern untereinander und mir aufgebaut. Ich möchte aber keinen Einheitsklang, sondern wichtiger ist die Herausarbeitung des speziellen Klanges für jeden Komponisten. Für mich ist Authentizität ein hohes Ziel. Ich habe eine Vorstellung, wie Mozart, Händel, Gluck, usw. klingen können und mit meinen Orchestermusikern versuche ich diesem meinem Idealbild nahezukommen. Die Mitglieder des Orchesters sind alle herausragende Musiker, haben viel Erfahrung und haben mit zahlreichen Dirigenten zusammengearbeitet. Daher ist es für mich ganz wichtig, dass wir gemeinsam unsere Ziele verfolgen und ich nicht als Alleinbestreiter am Pult stehe. Sind Barock-Opern Ihre Lieblingswerke? Ich habe viele Barock-Opern, auch hier in München an der Bayerische Staatsoper, dirigiert und hoffe, dass noch viele kommen werden.Trotzdem möchte ich Barock - Musik nicht als meine einzige große Leidenschaft bezeichnen. In dieser Saison leitete ich die britische Oper "The Turn of the Srew" von Benjamin Britten, der ein Komponist des 20. Jahrhunderts ist. Diese Bandbreite ist spannend und fordert mich immer wieder zum Studieren neuer Werke heraus. Haben Sie selbst schon eigene Stücke komponiert? Nein, für mich ist das Komponieren eine ganz andere Tätigkeit als das Dirigieren. Meine Berufung und Leidenschaft ist das Dirigieren. Es gibt viele gute zeitgenössische Komponisten, die sehr erfolgreich sind und außerdem warten genügend Werke auf ihre Uraufführung. Nochmals eine Bemerkung zu Werken aus der Barockzeit. Die Partitur dieser Stücke ist anders zu lesen und erfordert manchmal aufwendige Bearbeitungen. Aber als Komponieren würde ich das nicht bezeichnen. Als Dirigent haben Sie einen guten internationalen Ruf. Regelmäßig sind an einigen Opernhäusern und bei manchen Festspielen regelmäßig tätig. Sind Sie damit ausgelastet und zufrieden oder möchten Sie auch an neuen Bühnen Engagements eingehen? Ich bekomme genügend Angebote, so dass ich glücklicherweise auswählen kann. Für mich ist Kontinuität an einem Haus sehr wichtig. Neue Engagements spreche ich mit meinem Agenten ab und gemeinsam treffen wir die Entscheidungen, die stark von den schon eingegangenen Verpflichtungen abhängen. Im Gegensatz zu Schauspielproben, bei welchen mit dem ersten Treffen die Rollengestaltung beginnt, kommen die Sänger studiert zur ersten Probe. Welchen Einfluss nehmen Sie als Dirigent auf die Rollengestaltung der einzelnen Figuren? Das ist wahr. Ein Sänger muss seine Partie schon vorab gelernt haben. Die Musik gibt Emotionen vor, dadurch ist manches bereits festgelegt. Trotzdem gibt es in der Probenzeit, die auch in der Oper mindestens 5 Wochen dauert, viel zu klären.Das beginnt mit der Tempowahl, Festlegung von Dynamik und Rhythmus. Ich habe eine große Wertschätzung für Sänger, weiß um die Probleme und Schwierigkeiten bei langanhaltenden Proben und anstrengenden Aufführungen bescheid. Für mich ist die Verschmelzung der menschlichen Stimme mit dem Orchesterklang etwas wunderbares. In den letzten Jahren wird von Sängern sehr viel Schauspielarbeit gefordert und ich bin von deren Flexibilität und Leistung begeistert. Bei unserer Heimfahrt im Zug trafen wir zufälligerweise ein Mitglied des Mozarteum - Orchesters. Auf unsere Frage: "Wie würden Sie Ivor Bolton charakterisieren?" antwortete dieser: "Er setzt sich uneigennützig für unser Orchester ein, hebt das Selbstbewusstsein der einzelnen Musiker durch seine große Wertschätzung. Er ist ein Energiebündel. In den Proben wird sehr konzentriert und genau gearbeitet, in den Aufführungen steckt er uns mit seiner Lockerheit an und erzeugt dadurch eine entspannte Atmosphäre. |