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Stephan Schmieding
ImageProduktionsleiter der Festspiele in der Spielstätte Salzburger Landestheater, Regisseur
Gespräch mit Jungen Freunden in Zürich, 4. Dezember 2008

Gespräch mit Stephan Schmieding mit 15 Jungen Freunden in Zürich am 4. Dezember 2008 

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Meine  ersten Schauspielerfahrungen sammelte ich, als ich schon mit 6 Jahren im Tennisclub Märchen in Oberhausen gespielt habe. Alle Kinder, die im Jungendtraining waren, wurden gefragt ob sie mitmachen wollen. Ich habe „ja“ gesagt. Nach der Matura aber verlor ich den Mut sofort mit „Kunst“ zu beginnen. Ich studierte Englische Literatur in Bonn und bin da über den damaligen Präsidenten der Deutschen Shakespeare Gesellschaft, Professor Dieter Mehl, bei Shakespeare gelandet – dann hat mich dieser „Shakespeare-Virus“ nicht mehr losgelassen und meine erste Inszenierung war „Der Kaufmann von Venedig“. Nach meinem Studium war ich Hospitant und Assistent im Theater Mühlheim an der Ruhr unter der Intendanz von Roberto Ciulli. Dann war ich als Hospitant in Bochum bei Matthias Hartmann und wurde persönlich gefragt ob ich in Zürich Assistent werden möchte.

Wodurch lässt du dich inspirieren?
Ich kann das am besten an einem Beispiel erklären. Bei dem Stück „Mein junges idiotisches Herz“ habe ich mich durch den amerikanischen Künstler Gordon
inspirieren lassen. Dieser hat alte abbruchsreife Häuser mit einer Kettensäge durchgeschnitten, sodass man Einblick in das Innenleben nehmen kann. Er hat also Privates zum öffentlichen Raum gemacht.

Wir sitzen jetzt beim Interview in diesem Bühnenbild. Mir fällt auf, dass es zum Einen wie ein Irrgarten aufgebaut ist, und zum Anderen nicht besonders farbenfroh ist.
Im Text steht die Szene spielt in einem Mietshaus. Da das Stück sechs Monologe hat und eigentlich keine Dialoge hat, tritt in meiner Inszenierung jede Person aus ihrer Wohnung heraus und nimmt das ganze Haus für sich als Spielfläche in Anspruch. Daher mussten die Bühnenbildnerin und ich den Schauspielern Möglichkeiten schaffen, leicht und schnell von einem Teil der Bühne zum Anderen zu gelangen. Das Lichtdesign war uns sehr wesentlich. Wir suchten für jede Person Lichtstimmungen, die einerseits die Persönlichkeit widerspiegelt, andererseits die Wohnräume charakterisiert.

Wie gehst du mit den Schauspielern während der Probenzeit um?
Auf einer Probe ist man nie alleine und zu glauben, dass ich als Regisseur immer die besten Ideen habe, trifft sicher nicht zu. Schauspieler sind oft sehr intuitiv. Auf Manches komme ich garnicht, wenn ich am Schreibtisch sitze und mir die Details einer Szene überlege. Für mich ist das Entstehen eines Stückes immer Teamarbeit. Ich, als Regisseur, versuche ein Klima zu schaffen, wo sich jeder wohl fühlt und frei seine Meinung äussern kann.

Was soll ein Theaterstück deiner Meinung nach bewirken?
Unterhalten! Ich mache gerne Stücke, wo sich die Zuschauer unterhalten. Auf jeden Fall nicht zu belehrend, nicht zu pädagogisch. Wenn „meine“ Zuschauer sich in manchem Detail selber erkennen können, gewisse Dinge etwas klarer sehen, oder vielleicht zum Nachdenken angeregt werden, dann hab ich schon viel erreicht.
Visionen?
 
Ich sehe das pragmatisch. Es gibt viele Stücke, die ich gerne machen möchte. Ja, manche begleiten mich seit früher Jugend, zum Bsp Mass für mass. 1998 habe ich mit einem Freund über Träume unterhalten, ich habe mir vorgestellt, dass ich 2008 in Bochum inszenieren werde. Das ist zwar nicht eingetreten, dafür durfte ich an einer Bühne im Schauspielhaus Zürich inszenieren. Eine unglaubliche Motivation für mich!

Du hast erzählt, dass du gerne geschauspielert hast. Warum jetzt auf einmal Regisseur?

Ich weiss schon warum ich nicht spiele, obwohl es mich immer wieder reizt. Man braucht als Schauspieler anderes Handwerkszeug als Regisseur. Ich glaube, dass meine Fähigkeiten mehr auf der Seite der Regie liegen. Ich meine, dass ich sehr klar über Inhalte sprechen kann, anderen meine Ideen gut nahe bringen kann, offen bin für Neues und nicht zu festgefahren, eine gute bildliche Vorstellung habe, und ausserdem teamfähig bin.

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