Thomas Jonigk - Dramaturg von Theodora
Gespräch mit Thomas Jonigk (Dramaturg von „Theodora“)
22.07.2009 in der Fördererlounge
Am 22.07.09 trafen sich 32 Junge Freunde in der Fördererlounge des Großen Festspielhauses Salzburg, um an einem Einführungsgespräch mit dem Dramaturgen und Schriftsteller Thomas Jonigk teilzunehmen.
Jonigk, der an der Freien Universität Berlin Mediävistik, neue Literatur und Theaterwissenschaften studiert hat, erwies sich als angenehmer Gesprächspartner. Gebannt lauschten die jungen Zuhörer seinen Ausführungen, die er mit Informationen über die Tätigkeiten eines Dramaturgen begann. Der Dramaturg sei vor allen Dingen der künstlerische Berater des Regisseurs während der Probenzeit. Er nimmt an einem Großteil der Proben teil, steht dem Regisseur mit Rat und Tat zur Seite und fungiert nicht zuletzt auch als Sprachrohr zwischen ihm und den Künstlern. Aber auch Schreibtischarbeit ist zu erledigen. So gehört die Erstellung des Programmheftes ebenso zum Aufgabenbereich des Dramaturgen, wie – im Fall der „Theodora“ – die Erstellung der Übersetzung für die Übertitelung.
Als wir danach auf die Produktion zu sprechen kamen, erklärte Jonigk eingangs den Unterschied zwischen einer Oper und einem Oratorium. Ein Oratorium befasst sich ausschließlich mit geistlichen Themen und hat im Vergleich zur Oper weniger direkte Handlung. Daher kann man diese von „Theodora“ in drei Sätzen zusammenfassen:
„Die Christin Theodora verweigert das Opfer an die römischen Götter und wird daraufhin festgenommen. Der sie liebende Soldat Didymus will sich für sie aufopfern. Am Ende finden beide ihre Freude im Tod.“
Diese Handlungsarmut war jedoch von Vorteil, im Bezug auf das Inszenierungs-konzept von Regisseur Christof Loy. Jonigk erläuterte, dass die Inszenierung, von der konzertanten Aufführung des Oratoriums ausgehend, auf jeglichen historischen Pomp verzichtet und sich eher schlicht zeigt. Die Sänger betreten die Bühne als Sänger, so als würden sie gleich an einem Konzert teilnehmen. Jedoch zeigen sich im Verlauf des Strückes immer genauere Charaktere, es wird von der Regie viel Wert auf die psychologische Gestaltung der Figuren gelegt. Diese sei wichtiger als eine historisch korrekte Ausstattung, da das Thema, so Jonigk, zeitlos ist. „Zwei Menschen mit einer Überzeugung kämpfen um ihre Liebe.“
Im zweiten Teil des Gesprächs kam das Thema „Probenarbeit“ zur Sprache. „Die Probenzeit war sehr angenehm. Von Anfang an herrschte eine konstruktive Arbeitsweise, die ohne „Geschrei“ auskam. Alle zogen an einem Strang. Von großem Vorteil war, dass sich Christof Loy und der Dirigent Ivor Bolton aus vielen vorhergehenden Produktionen kannten. Ivor Bolton war die gesamte Probenzeit anwesend und so war der ständige Dialog gewährleistet. Die gute Zusammenarbeit zwischen Regisseur und Dirigent ist für eine Musiktheaterproduktion natürlich sehr wichtig.“
Zum Schluss erklärte Jonigk, dass man als Zuschauer keine Erwartungen zu erfüllen habe. Jeder beobachte und reflektiere anders und keiner solle sich von anderen beeinflussen lassen. Man sei durchaus berechtigt, etwas schlecht zu finden, solle aber immer bedenken, dass kein Regieteam, kein Künstler jemals nicht das Beste auf die Bühne bringen wollen.“
Wir danken Thomas Jonigk ganz herzlich für seine Ausführungen.
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